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Interkulturelle Kompetenz - Was heißt das?

Hauptkonzepte - Begriffe, Definitionen & Forschung

„Interkulturelle Kompetenz“ wird als bedeutende Schlüsselqualifikation für heutige Arbeitnehmer und vor allem als Chance für die weitere berufliche Orientierung und Vorbereitung Jugendlicher mit Migrationshintergrund gesehen. Was aber genau ist unter „Interkultureller Kompetenz“ zu verstehen? Die Literatur bietet verschiedene Ansätze, den Begriff zu definieren. Die Definitionsansätze von Interkultureller Kompetenz stehen in engem Zusammenhang mit dem Feld, in dem diese nachher zielorientiert und Gewinn bringend eingesetzt werden sollen.

Die BQM hat sich in ihrer Handreichung „Interkulturelle Kompetenz als Chance“ auf die Definition von Joachim Schuch bezogen. Schuch fasst demnach einen Katalog folgender Fähigkeiten als „Interkulturelle Kompetenz“ zusammen:

Bereitschaft und Fähigkeit zur Empathie

Mit dem Begriff der „Empathie“ ist das Vermögen, sich in das Denken und Fühlen anderer Menschen hineinzuversetzen gemeint. Dieses erfordert, eigene Verhaltens- und Denkmuster nicht als  „die“ Grundlage jeglichen Handelns zu verstehen.

Fähigkeit zur Multiperspektivität
Gemeint ist hier die Fähigkeit, Handlungen und Situationen nicht nur aus eigener Sicht zu bewerten, sondern auch die Betrachtungsweise Anderer zuzulassen. Für ein interkulturelles Team etwa kann diese Fähigkeit eine Möglichkeit sein, sich von konventionellen und klassischen Lösungsmustern zu lösen.

Bereitschaft zur Selbstreflexion
Gefordert ist hier Bereitschaft, die eigenen  Ansichten zu hinterfragen. Die Transparenz eigener Gesprächs-, Reaktions- und Wahrnehmungsmuster ermöglicht den kritischen Umgang mit der eigenen Person und eröffnet Möglichkeiten zum offeneren Umgang mit anderen Menschen oder neuen Situationen.  Kulturell bedingte Kommunikationsschwellen können somit überwunden werden.

Bereitschaft zur Ambiguitätstoleranz
Selten ist der Verlauf von Situationen im Umgang mit anderen Menschen genau zu planen. Die Ambiguitätstoleranz erfordert den Mut, Unsicherheiten auszuhalten; kultureigne Reaktionsmuster sollten reflektiert werden.

Bereitschaft zur Flexibilität
Gefragt ist hier die Fähigkeit, sich neuen Situationen und Umgebungen flexibel anzupassen.

Fähigkeit zur Openmindness
„Openmindness“ ist die Offenheit, andere Erkenntnisse und Betrachtungen anzuerkennen. Diese Offenheit und Bereitschaft, sich auf andere Ansichten einzulassen, erweitert die Kommunikationsmöglichkeiten.

Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
Kommunikations- und Konfliktfähigkeit zählen zu den wichtigen Schlüsselqualifikationen in interkulturellen Arbeitsteams. Der Rahmen der Kommunikationsmöglichkeit soll erweitert werden, gleichzeitig ist der professionelle Umgang mit Konflikten gefragt. Typische Verhaltensabläufe sollten noch einmal kritisch hinterfragt werden.(Schuch, Joachim: Interkulturelle Kompetenz – die Kür der Kinder- und Jugendarbeit? in: Jugendsozialarbeit News, 5.5.2003)
Laut Hamburger, entwickeln Migranten ein „differenziertes Selbstbild multipler Zugehörigkeiten“. (Hamburger, F.: Modernisierung, Migration und Ethnisierung, in: Gemende, M./Schröer, W./Sting, S. (Hg.): Zwischen den Kulturen. Pädagogische und sozialpädagogische Zugänge zur Interkulturalität, Weinheim-München 1999, S. 37-55)

Der Querschnitt der Literatur lässt zu diesem Thema zusammenfassend folgende Aussage zu: Interkulturelle Kompetenz ist  als ein Komplex von Fähigkeiten und Haltungen zu verstehen, die ein angemessenes professionelles und integratives Handeln in interkulturellen Begegnungen sowohl auf persönlicher Ebene (Alltag, Freizeit, Familie etc.) als auch auf struktureller Ebene (Schule, Verwaltung, Arbeitsplatz etc.) ermöglichen.

Eine wichtige Voraussetzung ist, sich der eigenen kulturell bedingten Denk- und Lebensweise bewusst zu werden. Denn nur wer sich seiner selbst bewusst ist, d.h. Verhalten und Werten, kann auch andere kulturell bedingte Denk- und Lebensweisen erkennen und respektieren. Wir sprechen hier von der Selbstreflexion.

Interkulturelle Kompetenz erfordert auch Wissen über Kommunikationsstile. Hier wird auch heute noch F. Schulz von Thun als Basiswissen der Kommunikation herangezogen. (Schulz von Thun, F. v.: Miteinander reden. Psychologie der menschlichen Kommunikation, Reinbek 1981,1989, 1998). Hintergrundwissen über die Folgen der Migration, Sprachkenntnisse und die Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen im Umgang mit anderen Kulturen. Im Berufsalltag werden „Interkulturelle Kompetenzen“ als sog. „soft skills“ bezeichnet.  Fähigkeiten, die im heutigen Arbeitsleben immer mehr an Bedeutung gewinnen und für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt nahezu unerlässlich sind.

Literaturhinweise
■  Auernheimer, Georg: Einführung in die interkulturelle Erziehung, Darmstadt 1990
■  Barkowski, Hans: Interkulturelles Lernen in ethnisch gemischten Gruppen. In: Es geht auch anders! Pommerin-  Götze, Gabriele u.a. (Hg.): Es geht auch anders! Leben und Lernen in der multikulturellen Gesellschaft, Frankfurt/M. 1992
■  Boos-Nünning, Ursula: Interkulturelles Lernen in der Berufsbildung. In: Deutsch Lernen, Heft 4/1994
■  Dies.: Familie, Jugend, Bildungsarbeit. In Bade, Klaus J. (Hrsg.):  Das Manifest der 60. Deutschland und die Einwanderung. München 1994
■  Cohen, Philip: Verbotene Spiele. Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung, Hamburg 1994
■  Diehm, Isabel: Erziehung in der Einwanderungsgesellschaft. Frankfurt/M. 1993
■  Flores Baeza, Victoria u.a. (Hrsg.): Bildung und Erziehung im Einwanderungsland, Hamburg 1994
■  Gogolin, Ingrid (Hrsg.): Das nationale Selbstverständnis der Bildung. Münster, New York 1994
■  Hackl, Bernd (Hrsg.): Miteinander lernen: Interkulturelle Unterrichtsprojekte in der Schulpraxis, Innsbruck 1993
■  Hamburger, Franz/ Seus, Lydia/ Wolter, Otto: Über die Unmöglichkeit, Politik durch Pädagogik zu ersetzen. In:  Griese, Hartmut (Hrsg.): Der gläserne Fremde, Opladen 1984
■  Kalpaka, A./ Räthzel, N. (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz – Kompetentes (Sozial)Pädagogisches handeln in der Einwanderungsgesellschaft, in: IZA Zeitschrift für Migration und Soziale Arbeit, Heft 3-4, Frankfurt/M. 1998

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